Deutschland feiert sich naiv für Virus-Erfolge – doch Macht fließt woandershin

28. August 2020  Allgemein

Newsletter von Sahra Wagenknecht

Amazon, Google, Microsoft, Facebook und Apple sind die großen Gewinner der Coronakrise. Nicht nur ihre Umsätze und Gewinne sind rapide gewachsen, sondern auch ihre Macht. Während Politiker naiv die fortschreitende Digitalisierung feiern, bedeutet die aktuelle Entwicklung für Europa vor allem eins: zunehmende Abhängigkeit.

Die Schlüssel-Infrastruktur des 21. Jahrhunderts einer Handvoll US-Überwachungskonzernen zu überlassen, heißt nicht nur, eine zunehmende Abschöpfung von Werten und Wohlstand zulasten unserer Wirtschaft hinzunehmen. Es bedeutet vor allem, die Chance auf Souveränität und eine an den eigenen Interessen orientierte Politik in Deutschland und Europa endgültig zu verspielen. Darüber schreibe ich in meiner aktuellen Kolumne im Focus: 

Deutschland feiert sich naiv für Virus-Erfolge – doch Macht fließt woandershin
Deutschland feiert sich naiv für Virus-Erfolge – doch Macht fließt woandershin

Für Amazon-Chef Jeff Bezos ist die Corona-Pandemie ein Sechser im Lotto. Allein im zweiten Quartal 2020 schoss der Umsatz seines Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent auf knapp 90 Milliarden Dollar nach oben. Den Gewinn konnte das größte digitale Kaufhaus der Welt glatt verdoppeln. Persönlich ist Bezos seit Beginn der Krise um über 35 Milliarden Dollar reicher geworden. Ähnlich wie ihm geht es auch den Eigentümern der anderen vier großen Digitalkonzerne aus dem Silicon Valley. Apple ist mit einer Marktbewertung von 2 Billionen Dollar gerade zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Überall sprudeln die Gewinne und wachsen die Barreserven, die sich für neue Expansionsprojekte und Unternehmenskäufe nutzen lassen.

Kommunalwahlen in NRW

Am 13. September wird in NRW gewählt. Mit allen geltenden Corona-Schutzbestimmungen werde ich an mehreren Wahlkampfveranstaltungen teilnehmen und würde mich freuen, dort den einen oder die andere von Euch anzutreffen.

Digitalsteuer: Facebook zahlt 100 Millionen Euro an Frankreich

Im letzten Newsletter schrieb ich darüber, wie die Bundesregierung in der EU Maßnahmen gegen Steuerverschiebung blockiert. Inzwischen hat Facebook im Streit um Steuerzahlungen mit Frankreich nachgegeben und wird dort über 100 Millionen Euro Steuern nachzahlen. Ähnliche Summen entgehen wohl auch anderen EU-Ländern und Deutschland – nur werden wir es nie genau wissen, solange die Konzerne nicht zur Veröffentlichung ihrer Umsätze in den jeweiligen Ländern verpflichtet werden. 

Mehr zum Thema in der letzten Team Sahra-Ausgabe

Facebook zahlt in Frankreich mehr als hundert Millionen Euro Steuern nach

Frankreich fordert seit Jahren, dass internationale Technologiekonzerne ihre Steuern dort zahlen, wo sie ihre Umsätze machen. Facebook lenkt jetzt im Streit mit der Regierung in Paris ein.

Unsere Wälder sterben

Dem Wald in Deutschland geht es schlecht. In den letzten drei Jahren sind durch Hitze, Schädlinge und die anhaltende extreme Dürre unglaubliche 245.000 Hektar Wald abgestorben, das sind über zwei Prozent der Wälder in Deutschland. Seit der Jahrtausendwende sind es gar zehn Prozent. Wir verlieren wichtige Ökosysteme, die hunderte Millionen Tonnen CO2 speichern, Lebensraum für zahlreiche Arten und Tiere bieten und den Menschen Rückzugsräume und Erholung vom stressigen Alltag. Wo ein ganzes Waldstück abgestorben oder gerodet ist, dauert die Regeneration Jahrzehnte. Die Spuren vom Einsatz schweren Gerätes und Chemie oder der massive Entzug von Biomasse durch komplett-Rodungen bleiben mehrere Generationen. Und die Schäden wachsen weiter.

An unseren Wäldern sehen wir gerade die Folgen des Klimawandels. Und umgekehrt: Je mehr Bäume wir verlieren, umso schwieriger wird es, den Klimawandel zu bremsen. Mit jedem verlorenen Hektar Wald verlieren wir auch einen Speicher für 13 Tonnen CO2. Wir müssen endlich begreifen, dass unsere Wälder mehr sind als zukünftige Sperrholzplatten. Wenn wir unseren Kindern und Enkeln noch ein lebenswertes Land hinterlassen wollen, braucht es die Abkehr von einer Wirtschaftsordnung, die auf rücksichtsloser Profitmaximierung und einer Wegwerfkultur basiert und damit unsere natürlichen Lebensgrundlagen zerstört.